Zum Schreiben eines Songs und zum Musizieren im Allgemeinen stehen uns 12 Töne zur Verfügung. In aller Regel werden diese jedoch nicht in gleichem Maße verwendet, sondern man beschränkt sich auf eine Auswahl von 7 Tönen, die in musikalischem Zusammenhang stehen. Diese Auswahl bezeichnet man als Tonleiter oder Skala.
"Eine Tonleiter oder Skala ist in der Musik eine definierte auf- oder absteigende Folge von Tönen, die in einem musikalischen Zusammenhang stehen. Im Allgemeinen hat eine Tonleiter den Umfang einer Oktave, und wiederholt sich dann wieder mit der doppelten Frequenz."
(Quelle d. Definition: Wikipedia)
Die Auswahl an Tönen repräsentiert die Tonart oder Tonalität eines Musikstücks. Die entsprechende Tonleiter wird auch als Materialskala bezeichnet, da sie das Ausgangsmaterial für die Melodie- und Akkordbildungen der dargestellten Tonart enthält. Die Zusammenstellung der Töne ist der entscheidende Faktor für ein harmonisches Tonalitätsempfinden beim Hörer ("es passt"). Tonartfremde Töne werden als achromatische Töne bezeichnet. Zwar werden sie auch verwendet, aber nicht übermäßig, um das Hörerlebnis nicht nachhaltig zu beeinträchtigen. Maßvoll angewandt lassen sich so interessante Wendungen kreieren - wenn man es übertreibt, wird die Musik disharmonisch. Eine Tonleiter, die aus sieben Tönen besteht (also heptatonisch ist), wird als diatonisch bezeichnet. Die diatonische Tonleiter steht im Gegensatz zur chromatischen Tonleiter, die aus einer Folge aller 12 Halbtöne besteht.
Materialskalen sind meist Dur und Moll. Es gibt auch andere Tonleitern, aber darauf will ich hier nicht näher eingehen, sondern versuchen mich auf das Allergrundlegendste zu beschränken. Dur und Moll werden als Tongeschlechter bezeichnet, und die vollständige Angabe einer Tonart enthält somit den jeweiligen Grundton und das Tongeschlecht. Bei den Dur-Tonarten wird der Grundton stets groß geschrieben, bei dem Moll-Tonarten hingegen klein. Das Tongeschlecht wird in beiden Fällen groß geschrieben, z.B. C-Dur und c-Moll.
Betrachtet man die Gesamtheit der 12 zur Verfügung stehenden Töne, stellt man fest, dass der Tonabstand jeweils einen Halbtonschritt (eine kleine Sekunde) beträgt. Wie ist nun eine diatonische Skala aufgebaut? Bei den aus sieben Tönen bestehenden Tonleitern wechseln sich Halbton- und Ganztonschritte (große Sekunden) nach einem festgelegten Muster ab. Das Ganze sieht dann folgendermaßen aus:
Dur: Ganzton - Ganzton - Halbton - Ganzton - Ganzton - Ganzton - Halbton
Moll: Ganzton - Halbton - Ganzton - Ganzton - Halbton - Ganzton - Ganzton
Ausgehend von diesem Schema lässt sich auf jeden beliebigen Grundton die entsprechende Tonleiter bilden. So sieht man beispielsweise bei C-Dur (wobei die weißen Tasten eines Klaviers oder Keyboards/Synthesizers von einem C bis einschließlich des nächsthöheren jeweils einer Oktave entsprechen), dass der Abstand zwischen e-f und zwischen h-c jeweils einen Halbton beträgt. Alle anderen Intervalle (Tonabstände) bilden eine große Sekunde, also einen Ganztonschritt. C-Dur ist deshalb als Beispiel besonders gut geeignet, da sich das Schema schon auf der Klaviatur deutlich erkennen lässt - an den Stellen, an denen die Halbtonschritte stattfinden, befinden sich keine schwarzen Tasten.
Die Halbtöne einer diatonischen Skala beeinflussen die melodische Dynamik. Der 7. Ton der Skala (die 7. Stufe) zeigt eine Aufwärtstendenz zum Grundton, der auch als Leitton bezeichnet wird. Die 4. Stufe hingegen "fließt" abwärts zur Terz des entsprechenden Dreiklangs. Daher nennt man sie auch den Gleitton. Das sei aber nur am Rande und der Vollständigkeit halber erwähnt - über Stufen, Dreiklänge und andere Akkorde werden wir uns in Bälde an anderer Stelle unterhalten.
Und so sieht die C-Dur-Tonleiter dann aus:
c d e f g a h c'
Mit dem Erreichen des eingestrichenen c ist die Tonleiter wieder bei ihrem Grundton angekommen. Dieser unterscheidet sich in der Tonhöhe, jedoch nicht in der Funktion.
Nach dem oben aufgeführten Muster lässt sich analog dazu die Moll-Tonleiter bilden. Als Beispiel zeige ich a-Moll (genauer die sogenannte natürliche Moll-Tonleiter), welche die Paralleltonart zu D-Dur darstellt, und sich aus dem gleichen Tonvorrat zusammensetzt:
a h c' d' e' f' g' a'
Auch hier liegen die Halbtöne bei h-c und e-f, deren Position sich entsprechend des Mollschemas verschiebt.
Da alle Dur-Tonarten und alle Moll-Tonarten den gleichen Intervallaufbau haben, lässt sich ein Musikstück durch Verschiebung des Grundtons und Abänderung einiger Stammtöne (entsprechend der Schemata) in eine andere Tonart versetzen. Diesen Vorgang nennt man Transponieren.
Möchte man ein Stück also statt in C-Dur beispielsweise in D-Dur haben, sieht das Ganze so aus:
d e fis g a h cis' d'
So bleiben die Tonabstände erhalten (das Musikstück ist nach wie vor "richtig") und es ändert sich lediglich der Klangcharakter. Für einen Songwriter kann es durchaus lohnend sein mit verschieden Tonarten zu experimentieren. Zum einen lässt sich dadurch unter Umständen das bestmögliche Potential eines Songs herauskitzeln, und zum anderen kann man einen Song auf diese Weise der Stimmlage des Sängers bzw. der Sängerin anpassen. Egal ob man für sich selbst oder für andere schreibt - nicht jede/r kann jede Tonart singen.
Abschließend zu diesem Thema noch ein paar Worte zum Aspekt der Tonartenverwandtschaft. Transponiert man eine Tonart um eine Quinte (d.h. fünf Halbtonschritte, wobei der Grundton immer mitgezählt wird), so ändert sich nur das Vorzeichen eines einzigen Tons. Die übrigen sechs Töne sind sowohl in der ursprünglichen als auch in der Zieltonart enthalten. Tonarten, die sich um dieses Intervall unterscheiden, sind mit ihren sechs gemeinsamen Tönen also sehr eng miteinander verwandt. Je weniger gemeinsame Töne sich bei zwei unterschiedlichen Tonarten wiederfinden, desto entfernter ist die Verwandtschaft.
So, das soll es dann auch zu diesem Thema gewesen sein. Mir ist klar, dass ich eine Menge ausgelassen habe, aber das ist durchaus beabsichtigt. Zu diesem Sachverhalt wurden ganze Bücher geschrieben, und ich habe nicht vor selbigen Konkurrenz zu machen. Wer sich eingehender damit befassen möchte, findet in der Fachliteratur zahllose umfangreiche Werke. Ich weiß, dass viele Songwriter mit der Musiktheorie auf Kriegsfuß stehen, und genau darum geht es mir. Gewisse Grundlagen und Einblicke können die (intuitive) Arbeit erleichtern und neue Blickwinkel eröffnen. Daher möchte ich mich hier wie in künftigen Artikeln zu theoretischen Themen auf die nützlichsten und wissenswertesten Aspekte beschränken, die für uns einen relevanten Praxisbezug haben. In diesem Sinne wünsche ich allen ein frohes Transponieren. Änderungen und/oder Ergänzungen vorbehalten.