Samstag, 28. Februar 2009

Tonleiteraufbau - Skalen - Tonalitätsbildung

Zum Schreiben eines Songs und zum Musizieren im Allgemeinen stehen uns 12 Töne zur Verfügung. In aller Regel werden diese jedoch nicht in gleichem Maße verwendet, sondern man beschränkt sich auf eine Auswahl von 7 Tönen, die in musikalischem Zusammenhang stehen. Diese Auswahl bezeichnet man als Tonleiter oder Skala.

"Eine Tonleiter oder Skala ist in der Musik eine definierte auf- oder absteigende Folge von Tönen, die in einem musikalischen Zusammenhang stehen. Im Allgemeinen hat eine Tonleiter den Umfang einer Oktave, und wiederholt sich dann wieder mit der doppelten Frequenz."

(Quelle d. Definition: Wikipedia)

Die Auswahl an Tönen repräsentiert die Tonart oder Tonalität eines Musikstücks. Die entsprechende Tonleiter wird auch als Materialskala bezeichnet, da sie das Ausgangsmaterial für die Melodie- und Akkordbildungen der dargestellten Tonart enthält. Die Zusammenstellung der Töne ist der entscheidende Faktor für ein harmonisches Tonalitätsempfinden beim Hörer ("es passt"). Tonartfremde Töne werden als achromatische Töne bezeichnet. Zwar werden sie auch verwendet, aber nicht übermäßig, um das Hörerlebnis nicht nachhaltig zu beeinträchtigen. Maßvoll angewandt lassen sich so interessante Wendungen kreieren - wenn man es übertreibt, wird die Musik disharmonisch. Eine Tonleiter, die aus sieben Tönen besteht (also heptatonisch ist), wird als diatonisch bezeichnet. Die diatonische Tonleiter steht im Gegensatz zur chromatischen Tonleiter, die aus einer Folge aller 12 Halbtöne besteht.

Materialskalen sind meist Dur und Moll. Es gibt auch andere Tonleitern, aber darauf will ich hier nicht näher eingehen, sondern versuchen mich auf das Allergrundlegendste zu beschränken. Dur und Moll werden als Tongeschlechter bezeichnet, und die vollständige Angabe einer Tonart enthält somit den jeweiligen Grundton und das Tongeschlecht. Bei den Dur-Tonarten wird der Grundton stets groß geschrieben, bei dem Moll-Tonarten hingegen klein. Das Tongeschlecht wird in beiden Fällen groß geschrieben, z.B. C-Dur und c-Moll.

Betrachtet man die Gesamtheit der 12 zur Verfügung stehenden Töne, stellt man fest, dass der Tonabstand jeweils einen Halbtonschritt (eine kleine Sekunde) beträgt. Wie ist nun eine diatonische Skala aufgebaut? Bei den aus sieben Tönen bestehenden Tonleitern wechseln sich Halbton- und Ganztonschritte (große Sekunden) nach einem festgelegten Muster ab. Das Ganze sieht dann folgendermaßen aus:

Dur: Ganzton - Ganzton - Halbton - Ganzton - Ganzton - Ganzton - Halbton

Moll: Ganzton - Halbton - Ganzton - Ganzton - Halbton - Ganzton - Ganzton

Ausgehend von diesem Schema lässt sich auf jeden beliebigen Grundton die entsprechende Tonleiter bilden. So sieht man beispielsweise bei C-Dur (wobei die weißen Tasten eines Klaviers oder Keyboards/Synthesizers von einem C bis einschließlich des nächsthöheren jeweils einer Oktave entsprechen), dass der Abstand zwischen e-f und zwischen h-c jeweils einen Halbton beträgt. Alle anderen Intervalle (Tonabstände) bilden eine große Sekunde, also einen Ganztonschritt. C-Dur ist deshalb als Beispiel besonders gut geeignet, da sich das Schema schon auf der Klaviatur deutlich erkennen lässt - an den Stellen, an denen die Halbtonschritte stattfinden, befinden sich keine schwarzen Tasten.

Die Halbtöne einer diatonischen Skala beeinflussen die melodische Dynamik. Der 7. Ton der Skala (die 7. Stufe) zeigt eine Aufwärtstendenz zum Grundton, der auch als Leitton bezeichnet wird. Die 4. Stufe hingegen "fließt" abwärts zur Terz des entsprechenden Dreiklangs. Daher nennt man sie auch den Gleitton. Das sei aber nur am Rande und der Vollständigkeit halber erwähnt - über Stufen, Dreiklänge und andere Akkorde werden wir uns in Bälde an anderer Stelle unterhalten.

Und so sieht die C-Dur-Tonleiter dann aus:

c        d        e        f        g        a        h        c'

Mit dem Erreichen des eingestrichenen c ist die Tonleiter wieder bei ihrem Grundton angekommen. Dieser unterscheidet sich in der Tonhöhe, jedoch nicht in der Funktion.

Nach dem oben aufgeführten Muster lässt sich analog dazu die Moll-Tonleiter bilden. Als Beispiel zeige ich a-Moll (genauer die sogenannte natürliche Moll-Tonleiter), welche die Paralleltonart zu D-Dur darstellt, und sich aus dem gleichen Tonvorrat zusammensetzt:

a        h        c'        d'        e'        f'        g'        a'

Auch hier liegen die Halbtöne bei h-c und e-f, deren Position sich entsprechend des Mollschemas verschiebt.

Da alle Dur-Tonarten und alle Moll-Tonarten den gleichen Intervallaufbau haben, lässt sich ein Musikstück durch Verschiebung des Grundtons und Abänderung einiger Stammtöne (entsprechend der Schemata) in eine andere Tonart versetzen. Diesen Vorgang nennt man Transponieren.

Möchte man ein Stück also statt in C-Dur beispielsweise in D-Dur haben, sieht das Ganze so aus:

d        e        fis        g        a        h        cis'        d'

So bleiben die Tonabstände erhalten (das Musikstück ist nach wie vor "richtig") und es ändert sich lediglich der Klangcharakter. Für einen Songwriter kann es durchaus lohnend sein mit verschieden Tonarten zu experimentieren. Zum einen lässt sich dadurch unter Umständen das bestmögliche Potential eines Songs herauskitzeln, und zum anderen kann man einen Song auf diese Weise der Stimmlage des Sängers bzw. der Sängerin anpassen. Egal ob man für sich selbst oder für andere schreibt - nicht jede/r kann jede Tonart singen.

Abschließend zu diesem Thema noch ein paar Worte zum Aspekt der Tonartenverwandtschaft. Transponiert man eine Tonart um eine Quinte (d.h. fünf Halbtonschritte, wobei der Grundton immer mitgezählt wird), so ändert sich nur das Vorzeichen eines einzigen Tons. Die übrigen sechs Töne sind sowohl in der ursprünglichen als auch in der Zieltonart enthalten. Tonarten, die sich um dieses Intervall unterscheiden, sind mit ihren sechs gemeinsamen Tönen also sehr eng miteinander verwandt. Je weniger gemeinsame Töne sich bei zwei unterschiedlichen Tonarten wiederfinden, desto entfernter ist die Verwandtschaft.

So, das soll es dann auch zu diesem Thema gewesen sein. Mir ist klar, dass ich eine Menge ausgelassen habe, aber das ist durchaus beabsichtigt. Zu diesem Sachverhalt wurden ganze Bücher geschrieben, und ich habe nicht vor selbigen Konkurrenz zu machen. Wer sich eingehender damit befassen möchte, findet in der Fachliteratur zahllose umfangreiche Werke. Ich weiß, dass viele Songwriter mit der Musiktheorie auf Kriegsfuß stehen, und genau darum geht es mir. Gewisse Grundlagen und Einblicke können die (intuitive) Arbeit erleichtern und neue Blickwinkel eröffnen. Daher möchte ich mich hier wie in künftigen Artikeln zu theoretischen Themen auf die nützlichsten und wissenswertesten Aspekte beschränken, die für uns einen relevanten Praxisbezug haben. In diesem Sinne wünsche ich allen ein frohes Transponieren. Änderungen und/oder Ergänzungen vorbehalten.

Dancing In The Dark

In concert: Amy Macdonald, Jahrhunderthalle Bochum, 26/02/2009.

Im zarten Alter von 21 Jahren sorgte Amy Macdonald in jüngster Zeit für Aufsehen unter vielen Musikliebhabern. Mit ihrer außergewöhnlichen Stimme und einem bemerkenswerten Debut bringt sie mit ihren folkigen Popsongs gehörig frischen Wind in die internationale Singer-Songwriter-Szene. Ihr Album "This Is The Life" kann ich für mich persönlich mit Fug und Recht als das Debut des letzten Jahres bezeichnen. Wenige Tage zuvor - am 21. Februar - wurde sie zudem anlässlich der 18. Echo-Verleihung zur besten Newcomerin international gekürt.

Grund genug für meine Freundin und mich, sich die ganze Sache einmal live anzusehen. Ein Argument mehr war, dass sich der Veranstaltungsort in unserer direkten Nachbarschaft befindet. Problemlos in 15 Minuten zu Fuß zu erreichen - wie praktisch. Der letzte Besuch eines Auftritts eines kommerziell erfolgreichen Acts lag lange zurück, und umso größer war unsere Vorfreude, einmal einen Abend unter ganz "normalen Leuten" zu verbringen.

Als wir die Jahrhunderthalle erreichten, kam jedoch sogleich die Ernüchterung. Viele wirklich musikbegeisterte Personen schienen sich nicht unter den Gästen zu befinden. Aber wir wollten selbstverständlich unvoreingenommen an die Sache herangehen und erstmal abwarten, was da so auf uns zukommen möge. Nachdem wir 20 Minuten in der Schlange standen, bekamen wir tatsächlich ein Bier, und begaben uns mit selbigen in den Konzertsaal. Der Beginn war für 20 Uhr angekündigt, aber der Support spielte bereits ab halb acht. Und spielte und spielte und spielte...

Eröffnet wurde der Abend von einem britischen Singer-Songwriter namens Steve Cradock. Mit Akustikgitarre und minimalistischer Begleitung spielte er ein stimmungsvolles Set, das sich stilistisch passend und unauffällig in die Gesamtveranstaltung fügte. Allzu viel haben wir davon allerdings nicht mitbekommen, da - wie ich bereits habe anklingen lassen - die Bierbeschaffung ein Problem größeren Ausmaßes darstellte.

Als zu unserer Überraschung ein zweiter Support Act die Bühne betrat, nahmen wir unseren Platz in der Menge ein. Dieser zweite Act - eine niederländische Band namens Moke - war dann wohl die positivste Überraschung des Abends. Zu hören gab es melodischen Indie-Pop-Rock, der auf jeden Fall eine gewisse Aufmerksamkeit verdiente. Aber spätestens da begann das Problem, und wir standen endgültig mit dem restlichen Publikum auf Kriegsfuß. Anscheinend gehörten meine Freundin und ich zu den wenigen anwesenden Personen, die der Meinung waren, dass es diese Musiker verdienten, dass man ihnen zuhört. In diesem Konzertsaal war ein Geschnatter wie auf dem Pausenhof einer Schule, und das, obwohl ich den Altersdurchschnitt doch auf Ende 30 / Anfang 40 schätze. Da drängt sich der Schluss auf, dass das vielleicht so sein muss, wenn das Gros der Konzertbesucher aus Standard-Radio-Nebenbei-Hörern besteht. Schade!

Und das wurde dabei ignoriert:

Der eigentliche "Skandal" war dann allerdings der Auftritt von Amy Macdonald herself. Viel habe ich dazu eigentlich nicht zu sagen. Wenn ich es mit einem Wort beschreiben müsste, würde ich sagen: kurz! Ich habe mir in den vergangenen Jahren so einige Konzerte angesehen, aber dass ein Künstler bereits nach 45 Minuten die Bühne verlässt, um sich dann allen Ernstes bereits zur Zugabe zurückbitten zu lassen, habe ich so auch noch nicht erlebt. Insgesamt war der ganze Spaß nach etwa 60 Minuten vorbei.

Sicher ist klar, dass sie noch nicht auf eine lange musikalische Karriere zurückblickt, und demnach nicht über ein so großes Repertoire verfügt wie mach anderer Künstler. Wer sich aber mal im Vorfeld bei verschiedenen digitalen Musikdiensten informiert hat, was es da noch so an Non-Album-Tracks und B-Seiten gibt, dem wird sicher aufgefallen sein, dass dem geneigten Zuhörer da so einiges unterschlagen wurde. Anstelle dessen wurden Lückenfüller in Form von gleich Coversongs präsentiert. Zum einen gab es "Mr. Brightside" von den Killers, und zum anderen eine Coverversion des Klassikers "Dancing In The Dark" von der Songwriter-Legende Mister Bruce Springsteen höchstselbstpersönlich. Mutig! Darauf werde ich gleich noch einmal kurz eingehen.

Höchst befremdlich befand ich selbst während des Auftritts des Hauptacts immer noch das Publikum. Selbst während dieses kurzen Vergnügens zeigten sich dort erwachsene Menschen gegenseitig Fotos auf ihren Handys und kicherten ununterbrochen. Oder standen nur wir bei den Spinnern? Man weiß es nicht. Ich fürchte, dass es an anderer Stelle im Konzertsaal nicht besser war. Zumindest wurde hinter uns ständig geschrien, wenn Miss Macdonald zwischen den einzelnen Songs kleine Anekdoten erzählte. Auf den Gedanken, dass es vielleicht auch dem übrigen Publikum gegenüber unhöflich sein könnte (wir haben bestenfalls die Hälfte verstehen können), kam wohl niemand.

Um dem Ganzen noch etwas Positives abzugewinnen, lässt sich sagen, dass wir ob des kurzen Auftritts immerhin zügig in eine zentral gelegene Gastwirtschaft abdampfen konnten, um den Abend bei einem Bierchen ausklingen zu lassen, auf das wir nicht einmal fünf Minuten warten mussten. Und letzten Endes verließen wir das Konzert um eine Erkenntnis reicher: In manchen Fällen hat man mehr von schöner Musik, wenn man sie in den eigenen vier Wänden genießt.

Abschließend möchte ich noch einmal auf Amys Coverversion von "Dancing In The Dark" zurückkommen. Nun, es gibt diese Songs, die einem ein ganzes Wochenende versauen können. Besten Dank auch Bruce und Amy - mein Wochenende hat gerade erst angefangen! Das sollte man jetzt nicht falsch verstehen. Das Cover hat mir ausgesprochen gut gefallen, aber genau da liegt der Hase im Pfeffer. Während Springsteen einen tieftraurigen Text noch hinter einer fröhlichen Melodie versteckt, schafft es Amy mit ihrer Version, die ganze Dramatik dessen herauszuarbeiten. Die Worte mögen die gleichen sein, aber die unterschiedlichen Versionen machen letzten Endes einen Vergleich beinahe unmöglich. Amys Version ist wunderschön, aber meine Güte ist dieses Lied depressiv. Und ich bin es jetzt auch. Werde es mir dieses Wochenende noch mit ihrer Version gemütlich machen, aber ab Montag möchte ich dann doch lieber wieder das Original hören... Der letzte Chorus - der im Original textlich von den vorigen abweicht - wird von Amy nicht übernommen. Das schwächt die Traurigkeit des Songs etwas ab, aber damit lässt sich dann auch nicht mehr viel retten.

Hier noch Amys Version in einem guten Zusammenschnitt, für den von einem Youtuber die Publikumsgeräusche herausgefiltert wurden. Ist zwar mono, aber gut. Die Originalversion schenke ich mir, die kennt sowieso jeder.